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Berliner Ehe – Part I.

Wild, Unkonventionell, Abgefuckt, Verrückt, Bescheuert, Laut, Schrill, Nervig. Berlin kann man vermutlich unendlich viele Attribute andichten und allen wohnt am Ende mehr als nur ein Funke Wahrheit inne. Single sein in der Hauptstadt kann man allerdings mit einer recht großen Rechtfertigung als Herausforderung bezeichnen. Denn wenngleich es hier vor Ungebundenen Menschen nur so wimmelt, so schwer ist es doch am Ende auch ein halbwegs passendes Gegenstück für sich zu finden.

Die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen.

Genau dieses ist es, wonach man im Dschungel der Großstadtsingles sucht. Ob das überhaupt klappen kann? Sicher. Man muss eben nur entsprechend viel Geduld mitbringen und sich darüber im Klaren sein, dass man vielleicht doch nur eine „Berliner Ehe“ bekommen wird.

Euch verwundert dieser Begriff? Nun, ich muss auch direkt nachfragen als ich die Bezeichnung „Berliner Ehe“ vor einigen Wochen zum ersten Mal hörte. Was soll das sein? Nun, seither ist mir die Begrifflichkeit tatsächlich öfter untergekommen und ich bin auch ein wenig schlauer geworden, was sich dahinter verbirgt. Die „Berliner Ehe“, als welche viele Menschen ihre Liebschaften gern bezeichnen mögen, betitelt einmal mehr die Unverbindlichkeit, in welcher wir als Liebesuchende unser Beisammensein mit Gleichgesinnten gern einfach nur dahinvegetieren lassen möchten. Wir alle sind auf der Suche nach jemandem, uns jedoch zu einem eventuellen Fund zu bekennen, das steht bei vielen auf einem anderen Blatt Papier. Viel lieber lassen wir so ein „Ding“ einfach unverbindlich laufen, bekennen niemals öffentlich, dass dahinter eventuell mehr stecken könnte und werden nie fester als unser etwaiges Monatsticket mit der BVG. Immerhin leben wir in Berlin. Hier sind alle jung, hipp, trendy. Verbindlich ist dieser Orts schon lange zum Fremdwort mutiert und wer sich wirklich noch offiziell zu einer Beziehung bekennen möchte, der sollte sich das mehr als gut überlegt haben.

Nein, nein. Bleibt mal lieber alle „Mingles“ oder wie es so schön heißt und treibst mit euren Bekanntschaften nie verbindlicher als es eben in einer solchen „Berliner Ehe“ der Fall sein sollte. Denn hey: Ihr lebt in einer Großstadt voller Singles, an jeder Ecke könnte euch noch etwas Besseres über den Weg laufen und das wollt ihre euch doch nicht wirklich entgehen lassen.

11 Kommentare zu „Berliner Ehe – Part I.

  1. „Ihr lebt in einer Großstadt voller Singles, an jeder Ecke könnte euch noch etwas Besseres über den Weg laufen und das wollt ihre euch doch nicht wirklich entgehen lassen.“
    Warum muss es immer etwas besseres sein? Warum hat man immer die Angst, man könnte etwas „besseres“ verpassen, wenn man jemand neues kennenlernt? Ich finde das einfach nur noch traurig. Warum lernen sich zwei Menschen sich nicht einfach mal kennen und lassen sich dabei auch einen Raum, damit sich überhaupt etwas entwickeln kann? Nein, da hat man schon ein komplett vorgefertigtes Bild im Kopf wie er oder sie sein soll und es wird nur schnell der gegenüber abgescannt und mit der imaginären Liste abgeglichen. Und sobald auch nur ein Punkt nicht passt, „der nächste bitte“. Ich verstehe es nicht. Lasst euch doch mal auf andere Menschen ein, lernt sie richtig kennen und dann lieben. Nein, in unserer heutigen Gesellschaft muss es immer das tollste und beste sein und da sind Partner eben oftmals auch Wegwerfartikel. Manche wechseln da ihren Partner häufiger als die eigene Unterwäsche. Jedenfalls hat man das Gefühl. Genauso muss sich jeder auch gefühlt zu 1000% sicher sein, bevor er oder sie überhaupt eine Beziehung eingeht. Kein Wunder also, dass es immer mehr Singels gibt.

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  2. Genau, eigentlich ist es die Generation Beziehungsunfähig. Es ist erschreckend und schade zugleich, wie viele nur so etwas lockeres, unverbindliches am laufen haben wollen und nichts festes. Sind alle von Bindungsängsten befallen? Zu schlechte Erfahrungen oder keine Lust auf so eine Verantwortung, weil man ja z.B. mit dem Studium / der Arbeit / Familie und Freunde eh schon genug Verantwortung hat. Oder allgemein dem Leben.

    Ich selbst hatte für ein paar Monate auch mal eine monogame Ersatzbeziehung am lafen, aber ich weiß bis heute nicht, wieso nicht was wirklich festes daraus geworden ist.. Angeblich haben die Gefühle gefehlt, jedoch fühlte sich das ganze anders an und war z.B. nicht nur auf den Sex aus.. Menschen muss mal einer verstehen…

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    1. Hm… ich bin ganz bei Dir. Und im Falle der Berliner Ehe wird es wohl wirklich unzählige geben, denen gut getan wäre, wenn sie sich mal trauen würden. Die Sache mit den Gefühlen steht für mich am Ende trotzdem noch auf einem anderen Blatt. Denn was wäre Dir am Ende lieber gewesen: Falsche Gefühle und ein weiteres Miteinander, das wohlmöglich daran zerbricht, dass für ihn doch noch mal jemand wahres um die Ecke kommt? Oder ein ehrliches „ich kann nicht“? Dass Dich am Ende vielleicht viel weiterbringt, nämlich zu jemandem, der Deine Gefühle wirklich erwidert?

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  3. Ich kannte bislang nur das Berliner Testament…
    Vor lauter „es könnte etwas Besseres kommen“ wird das Gute verpasst. Und offensichtlich macht die Berliner Ehe auch nicht glücklich. Denn nach meinen Beobachtungen warten viele auf den perfekten Partner oder Partnerin der so ist wie sie sich ihn/sie vorstellen. Ohne selbst etwas dazu beitragen zu wollen.

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  4. Aach, da fällt mir doch immer wieder die „Generation Beziehungsunfähig“ ein und ein guter Freund, der ebenso wenig dazu in der Lage ist, sich wirklich für eine Person zu begeistern. Liegt es daran, dass die Menschen glauben, jede begeisternswerte Person sollte auch ein (Sexual-) Partner sein oder daran, dass sie Arbeit an einer Beziehung naiv als etwas empfinden, das nicht stattfinden sollte? (Btw habe ich manchmal das Gefühl, dass das wilde Herumpoppen auch dazu führt, dass man die Menschen eben nur poppt, aber nicht kennenlernt. Wie sind Freundschaften in Berlin?) Man könnte jetzt diskutieren, dass Monogamie und stetige Beziehungen unnatürlich sind und die Biologie in etwa vier Jahre pro Partner vorsieht (Pease 2009), aber die vier Jahre schaffen die meisten ja nicht einmal.

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