Single-Charts

Single-Charts: Sportunterricht, 4. Klasse.

Handball, in meiner Grundschule spielte man Handball. Ein Mannschaftssport, bei dem eine gut funktionierende Ball-Hand-koordination Grundvoraussetzung ist. Ich habe es gehasst.

Ich möchte wirklich nicht von mir behaupten, jemals besonders sportlich gewesen zu sein, jedoch besitze ich hier und da fabelhafte Inselbegabungen, mit denen selbst eine vermeintliche Niete wie ich im Konsenz eines kleinen sportlichen Wettkampfs glänzen kann. Allerdings nicht mein 4.Klasse-Grundschul-Ich. Denn dieses Mädchen war dazu verdammt, diverse Handball-Sportstunden überleben zu müssen, ohne direkt einen Heulkrampf zu erleiden. Denn wie wir alle dem Mannschaftsgedanken entnehmen können: Beim Schulsport-Handball wurden Teams gewählt. Stunde um Stunde. Und da saß ich nun, auf der Bank, unter den Nieten, die niemand so wirklich gern in seiner Mannschaft haben wollte.

Vergange Woche war es mal wieder soweit: Ich sah mich wieder einmal alleine auf der Bank sitzen. Grund dafür war die Verkündung von Hochzeit und Schwangerschaft eines sehr gut befreundeten Pärchens. Zuvor hatten ebenfalls zwei weitere Freunde ihr frisch gebackenes Pärchenglück mitgeteilt und so wuchs in mir mal wieder dieser vermeintliche Druck, dass auch in meinem Liebesleben mal wieder ein kleiner Meilenstein erreicht werden könnte. Es ist ein größtenteils vollkommen künstlich erzeugter Druck, den man als Single in solchen Phasen verspürt und doch sorgt er genau dann für erhebliche Sorgenfalten.

Werde auch ich jemals mitspielen dürfen?

Es ist schlichtweg besch… Denn das einzige, was jenes Gedankenkarussel nach sich zieht ist die eigene Fokussierung auf die vermeintliche „Schwäche“. Vielleicht bin ich noch immer eine Niete im Handballspielen,   aber ich weiß inzwischen, dass ich in so manch einer anderen Sportart richtig gut performen kann. Und dieses Talent wird sicher auch noch eines Tages von einem Partner erkannt.

14 Kommentare zu „Single-Charts: Sportunterricht, 4. Klasse.

  1. Sehr schöner Beitrag! Ich kenne diese Gefühle auch. Beide. Das mit dem auf der Bank sitzen (mal ehrlich, was haben sich Lehrer eigentlich damals gedacht? Kinder traumatisieren? Ich hoffe, das wird heute nicht mehr angewendet?!) und das mit dem, „bin ich der letzte Single in meiner Umgebung“ – Gefühl.
    Auch in meinem Freundeskreis, zumindest in dem früheren sind mitlerweile alle verheiratet und das zweite Kind ist unterwegs oder schon da. Ich dagegen bin geschieden und kinderlos mit 31.
    Wenn du die ganze Zeit die (angeblich) happy Family Beispiele um dich hast, fühlst du dich schnell wie ein Versager.
    Aber wir wissen doch auch, dass die Fassade oft nicht die ist wie es scheint. Probleme gibt es auch in einer Partnerschaft, wenn nicht sogar noch mehr. Klar fehlt mir manchmal auch die Nähe und ich wünsche mir jemanden an meiner Seite der immer für mich da ist. Das ist eine tolle Vorstellung.
    Ich muss aber auch sagen, meine größte Entwicklung habe ich in den letzten 3 Jahren seit ich wieder Single bin mitgemacht.
    Ich bin viel offener, gehe raus, unternehme Dinge und habe mich dieses Jahr auch zum ersten Mal getraut alleine zu reisen. Es war großartig. Trotz scheiß Angst zuvor. Daneben habe ich mir bewusst Kontakte aufgebaut, die „im gleichen Boot“ sitzen und folge solchen Blogs wie deinen 😉 denn als Community ist man nie allein!

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    1. Hab vielen lieben Dank für Deinen Kommentar! Es ist schön, zu wissen, dass man gewiss nie allein sein wird mit seinen Sorgen und Gedanken, die einen als Single so hin und wieder ereilen und stellenweise auch übermannen können.
      Ich kann Deine Entwicklung unendlich gut nachvollziehen. Mir erging es recht ähnlich nachdem Mitte meiner Zwanziger meine vierjährige Beziehung zu Bruch ging. Es gab mir den Arschtritt, den ich gebraucht habe, um mal wieder herauszufinden, was ICH eigentlich will. Und auch ich bin seitdem jedes Jahr eine Woche allein gereist und habe mir die Zeit für mich genommen, die brauchte. Inzwischen bin ich mir recht gewiss darüber, dass ich vollkommen anders in eine neue Beziehung starten könnte: Selbstbewusster, mit klarerem Fokus auf WIR und ich. Und auch ohne weiß ich einfach genau, was mir gut tut und welche Ziele ich schlussendlich nie mehr aus den Augen verlieren möchte. Es stärkt einen und ich bin daher auch sehr dankbar um die Single-Jahre.
      Ich wünsche Dir alles Liebe und freue mich, dass ich Dich hier und da mit meinen Texten abholen kann. Liebst, Franzi.

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  2. Spannend, die gleiche Reaktion hatte ich für einen Moment in einer Konferenz, als ich mich fragte, ob der Bauch da bei einer Kollegin und Freundin denn ein Babybauch ist. Vor allem, da ich weiß, dass sie es versuchen. Und im Juni heiraten wieder Freunde von mir, ich bin eine der letzten im Freundeskreis, die nicht seit 2-10 Jahren mit jemandem liiert ist und/oder fortgepflanzt hat. Dazu muss ich sagen: ich bin bereits Ü30, fast schon Mi30 und da hört man auch langsam das leise Ticken.

    Trotzdem: Mein Leben ist nicht „Das Leben der Anderen“ und vielleicht ist irgendwas anders bei anderen als bei mir, so dass ich wählerischer bin, dass ich komplizierter bin, weniger stereotyp oder anstrengender, vielleicht habe ich noch nachzuholen oder bin noch nicht satt genug… Aber am Ende ist das alles egal, denn „I can’t change, even if I tried, even if I wanted to..“ und entweder gibt es „meinen“ Partner, oder eben nicht.

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    1. Ich finde es wundervoll, wie schön Du es für Dich herunterbrechen kannst und Deinen Standpunkt gefunden zu haben scheinst. Ich wünsche Dir alles Liebe für das, was Dir Deine Zukunft bescheren mag und wünsche Dir, dass Du stets so fabelhaft darauf blicken kannst!

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  3. Ich finde es gut, dass du optimistisch bleibst! Für mich persönlich haben Hochzeit und Schwangerschaft (momentan) keinen besonderen Reiz. Zwar freue ich mich aus tiefsten Herzen für meine Freunde, jedoch gleichzeitig heil froh, dass ich nicht in deren Schuhen stecke.
    Ich war auch damals in der Schule auch diejenige, die auch offen gezeigt hat, dass sie keinen Bock auf den Unterricht hat. 😀 Ich bin so pseudomäßig mitgelaufen um meine 4 zu bekommen, aber alle wussten, dass man nicht auf mich zählen sollte.

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  4. Ach Mensch. Ich kenne das so gut. In meinem Freundeskreis sind gerade zwei meiner engen Freundinnen parallel schwanger. Meine beste Freundin ist mit ihrer süßen Neugeborenen beschäftigt. Eine andere plant ihre Traumhochzeit. Als vor einigen Wochen ein Freund anrief und mir erzählte, dass er DIE EINE getroffen hat, dass er ach so verliebt sei und überhaupt, hatte ich einen kleinen Stich in der Brustregion. Natürlich freue ich mich. Für sie alle, natürlich. Was wäre ich für eine Freundin? Und doch war meine Antwort auf sein „Auch Du wirst den Richtigen finden, der kommt schon, gerade wenn Du es am Wenigsten erwartest“ nur ein „Ach weißt Du, ich komme ja auch echt gut alleine klar. Ich hätte ja auch gar keine Zeit für eine Beziehung. Ich müsste Kompromisse machen.“ Ohne Witz: Zwei Wochen später hat mich Amor mit seinem Kitschpfeil so dermaßen erwischt. Die alte Story „Wir haben uns über gemeinsame Freunde kennen gelernt.“ Ist es einfach? Nö. Muss ich Kompromisse machen? Ja. Ist es aber auch ganz toll? Ja, doch. Ist es total perfekt und wird für immer, immer halten? Ich weiß es nicht.
    Aber dieses Ziepen im Bauch, das Gekichere, die leuchtenden Augen: All das wünsche ich Dir. Es wird kommen, versprochen.
    Liebe Grüße von der, die bei der Auswahl für die Volleyballteams immer neben den Fußkranken und Übergewichtigen als letzte auf der Bank saß, Carina

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    1. Oh Wow, wie herzig ist bitte Dein Kommentar! Eine Geschichte, wie sie sonst wohl wirklich nur Kitschi-Romane schreiben und es ist wahrlich fabelhaft, dass auch das Leben manchmal die richtigen Worte zu finden scheint. Hab vielen lieben Dank für Deine Wünsche. Ich mag die Hoffnung auch keineswegs aufgeben. Die Gedanken von vor ein paar Tagen mussten nur einfach niedergeschrieben werden. Ganz liebe Grüße, Franzi

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    2. Ich gebe Carina Recht. Unverhofft kommt halt oft. Wobei es bei mir jetzt auch noch nie wirklich zutraf, selbst als ich nicht gesucht habe. Wenn dann habe ich eher Idioten kennengelernt… Sogar im RL. Es ist halt wie mit der Nadel im Heuhaufen suchen. Aber ich kann dein Gefühl schon nachempfinden.

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  5. Guten Morgen,

    ach, ich weiß, wie sich das anfühlt. In meinem Freundeskreis gibt es auch eigentlich nur noch Pärchen, welche nach und nach sich das Ja-Wort geben und Kinder bekommen. Ich denke, wir sollten uns für sie freuen, dass sie sich gefunden haben und die Tradition der Ehe fortleben. Auch als Single kann man auf solchen Festlichkeiten Spaß haben und wird nicht alleine auf der Bank sitzen. 😉 Und Mr. Right taucht schon auf und wenn nicht, versuch als Single das Beste draus zu machen. 🙂 Man hat ja schließlich nur das eine Leben! 🙂

    Liebe Grüße

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    1. Ich bin voll und ganz bei Dir – man auch als Single ein fabelhaftes Leben führen. Nur sind eben auch jene Freunde stetig ein Teil dessen und dieser kann einen eben auch trotz aller Freude für all die Glücklichen, hin und wieder verletzen.

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  6. Ohhhhhh, diese Art von Gefühl ist mir bekannt. Allerdings glaube ich nicht, dass der Druck „künstlich“ ist, sondern durchaus real. Und zwar von einem selbst. Ich persönlich habe zum Beispiel ein Umfeld, in dem mir keiner Druck macht oder Vorwürfe. Und wenn, dann kann ich mich davon befreien, denn was wissen die schon über mich und die genaue Situation. Es ist eher die Furcht, etwas zu verpassen. Denn für manche Dinge braucht man Zeit. Und die läuft nun mal unaufhaltsam…

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