MännerLiebelei

TinderDate auf offener Straße?

Wie oft habe ich bereits darübergeschrieben, dass ich es schier famos finden würde, wenn mehr Männer auch im analogen Alltag hin und wieder die Chance ergreifen würden, eine Frau einfach anzusprechen? Nun, was soll ich sagen: Es ist passiert!

Einfach so & unverhofft.

Wir schreiben einen durchschnittlichen Mittwochabend. Nach der Arbeit führt mich mein Weg noch für einige Kilometer aufs Laufband und im Anschluss noch zu kleineren Besorgungen. Frisch geduscht, aber nicht minder fertig aussehend eile ich durch die Straßen Charlottenburgs und möchte nun auch wirklich mal nach Hause. Auf dem Bürgersteig tummelt es vor Menschen, immerhin ist es kurz vor Ladenschluss und der Heimweg-Impuls überkommt die meisten. Ich achte ich nicht wirklich auf all jene, welche an mir vorbei rauschen und doch fällt mir irgendwie im Augenwinkel auf, dass mich jemand angesehen haben muss. Kurz darauf steht er vor mir: Theo.

„Hey! Eigentlich bin ich grad auf dem Weg zu einer Verabredung, aber Du bist mir aufgefallen. Du schaust sympathisch aus und so musste ich Dich einfach ansprechen!“

Hui! Ist das grad wirklich passiert? Tatsache. Und wenngleich Theo nicht meinem Traummann entspricht, so bin ich nicht minder begeistert von seiner Aktion. Entsprechend entgegne ich ihm auch direkt, dass ich es wirklich toll finde, dass er mich hier einfach angesprochen hat.

Wir unterhalten uns. Meine Busnummer passiert uns mehrfach und ich erfahre ein wenig mehr über diesen, nun nicht mehr vollkommenden Fremden namens Theo.

Ende 20, Medizinstudent im Endspurt, recht neu in Berlin und augenscheinlich ein netter Typ. In jedem Fall aber ein Typ, der meinen höchsten Respekt verdient, denn auf offener Straße die Chance des Ansprechens zu ergreifen ist einfach eine phänomenal gute Sache. Wir tauschen Nummern, denn auch wenn er nicht ganz mein Typ ist, so finde ich, dass er sich jenen gemeinsamen Kaffee mehr als verdient hat. Nett unterhalten haben wir uns in dieser halben Stunde auf jeden Fall.


*Nachtrag: Leider ist es im Nachgang schlussendlich doch nicht zu einem Treffen gekommen. Wie ich euch in meinen neuen Beziehungsgefüge-Texten schrieb, war der Sommer doch aufgeregter als mein Herz es verarbeiten konnte und so empfand ich mich nicht mehr als gute Unterhaltung für Theo. Ich sagte ihm ab, betonte allerdings noch einmal, dass ich sein Handeln überaus schätze und mir wünsche, dass er es auf jeden Fall wieder tun sollte, sofern er Lust bekommt, ein nett aussehendes Mädchen auf der Straße anzusprechen.

22 Kommentare zu „TinderDate auf offener Straße?

  1. „Nachtrag: Leider ist es im Nachgang schlussendlich doch nicht zu einem Treffen gekommen.“

    Darüber bin ich froh, denn obwohl du der Meinung bist, daß Männer durch deine bloße Gegenwart schon überrreichlich beschenkt werden, warst du – anders als er – nie ernsthaft an ihm interessiert. Es ist daher schwer einzusehen, warum du meinst, diesem Mann dadurch etwas Gutes zu tun, daß du seine Zeit verschwendest … ach ja ,,, mein Fehler … er darf Zeit mit einer Frau verbringen …

    Klar, das entschädigt natürlich für alles – oder doch nicht?

    Wie kommt es eigentlich, daß die Zeit der Männer so wenig wert ist? Oder anders formuliert: Wie kommt es eigentlich, daß Männer so viel weniger wert sind als Frauen?

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      1. Nein, denn Du hast ja schließlich die Behauptung in den Raum gestellt, ich hätte die Zeit des netten Herren verschwendet, was ich tatsächlich nicht verstehe.

        Aber gern lege ich den Fokus auf Deine weiteren Fragen „Wie kommt es eigentlich, daß die Zeit der Männer so wenig wert ist? Oder anders formuliert: Wie kommt es eigentlich, daß Männer so viel weniger wert sind als Frauen?“

        Nun, ich kann Dir darauf schlichtweg keine Antworten geben, denn für mich stehen diese Fragen keineswegs im Raum. Ich sehe hierbei kein Wertigkeitsgefälle. In meinen Augen ist die Zeit eines jeden Menschen kostbar und jeder verdient es, dass man aufrichtig mit ihm umgeht. Womit sich für mich auch der Kreis zur Geschichte meines Artikels schließt: Ich wollte die Zeit des sympathischen Manns nie verschwenden, weshalb ich ihm eine entsprechende Nachricht geschrieben habe, dass wir uns nicht auf einen Kaffee treffen werden und abermals betonte, dass ich seine Aktion mehr als toll fand, dass er mich angesprochen hat.

        Und schlussendlich gelten Deine Fragen ebenso umgekehrt: Ist es OK, wenn Männer Frauen einfach „ghosten“, ihnen keine Erklärung geben, warum nach 3 Dates kein weiteres Interesse besteht? Ich denke nicht. Folglich sehe ich in Deinen Fragen ein grundlegendes Problem im Miteinander. Das ist allerdings für mich keine Frage des Geschlechts, sondern vielmehr eine Frage der eigenen Moral.

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      2. „Ich sehe hierbei kein Wertigkeitsgefälle. “

        Das sagst du explizit, aber alle deine Texte sagen genau das Gegenteil.

        „Ist es OK, wenn Männer Frauen einfach “ghosten”, ihnen keine Erklärung geben, warum nach 3 Dates kein weiteres Interesse besteht?“

        Ja, ist völlig ok. Die soziale Herrschaft liegt in den Händen der Frauen. Das mag einigen nicht gefallen, aber es ist so. Damit setzen die Frauen die Normen und Frauen ghosten ständig. Gleichberechtigung bedeutet erstens, daß Männer dürfen, was Frauen tun und zweitens, daß Frauen ihre Privilegien dahingehend aufgeben müssen, daß sie sich alles, was sie von Männer bekommen wollen, auch verdienen müssen. Denn wir Männer müssen das auch tun und du schreibst das ja auch ganz explizit in deinem Text: Der Mann spricht dich auf der Strasse an und damit hat er sich ein Gespräch verdient. Also mußt du dir auch eine Erklärung eines Mannes verdienen, der andersfalls ghostet. So funktioniert Gleichheit nun einmal.

        Daß keiner von euch daran gedacht hat, daß die feministische Gleichheit vor allem Männern nützt, ist nicht mein Problem: Denn ich als Mann profitiere vom Feminismus massiv.

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      3. Wir drehen uns im Kreis: Ich teile Deine Auffassung schlichtweg nicht. Für mich gibt es weder für Mann noch für Frau das Recht, jemanden zu Ghosten. Punkt.
        Niemand wird immer vollkommen perfekt handeln, aber ich gebe mir große Mühe, mich immer auch vor die Frage zu stellen, wie es mir in der Position des anderen ergehen würde. Sollten alle hin und wieder tun, macht glaub ich Sinn, Feminismus hin oder her.

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      4. Das ist wahr, wir drehen uns im Kreis. Denn wann immer ich hier mal vorbeischaue, lese ich dieselben Beschwerden von dir und dieselben Thesen zur Analyse der sozialen Realität, die aber offenbar nichts ändern und nicht mal für dich eine alternative Handlungsoption schaffen.

        Natürlich ist es nachvollziehbar, daß Frauen ihr soziale Herrschaft nicht zugeben. Denn Herrschaft kann nur durch Gewalt oder Täuschung ausgeübt werden und die der Frauen beruht natürlich auf systematischen Lügen.

        Aber überleg mal: Dir geht es schlecht und trotzdem behauptest du, alles sei ok – bis auf böse Männer, die sich irgendwie verschworen haben.

        Na ja … ich will dir da nicht reinreden – schließlich bist du ja stark und unabhängig und kannst alles mindestens genauso gut wie ich und manchmal sogar besser: Wenn dich diese Analyse zufriedenstellt – ok. Aber ich glaube den Quatsch nicht. 😉

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  2. Liebe Franzi, nun ja, ich hätte mich dennoch mit dem netten Herren getroffen. Vielleicht hätte er dich auch gut von deinem Sommer ablenken können und nur weil man sich auf einen Kaffee trifft, heißt das doch noch lange nichts. Evtl. wäre ja auch bloß eine tolle Freundschaft entstanden?! Liebe Grüße, Miss Lisbeth.

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    1. Ich verstehe deinen Punkt und sicher, an einem Kaffee wäre nichts dabei gewesen. Nur war das Timing wirklich ungünstig. Ich war einfach nicht mit mir selbst im Reinen und wusste eben auch, dass er nicht so richtig mein Typ war. Folglich hätte ich es unfair gefunden und glaube, in diesem Falle richtig gehandelt zu haben.

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