Adventskalender

Weihnachten bei anderen Eltern.

Heilig Abend. Wer selbst keine Kinder hat oder eine ebenso wirkungsvolle Ausrede, der kommt im Grunde fast nicht umhin, sich am 24.12. unter dem familiären Christbaum der Eltern einzufinden. Ist so. Traditionen wollen gepflegt werden. Insbesondere dann, wenn sie mit Braten, Christbaumkugeln und Geschenken einhergehen. Für Singles ergibt sich aus diesem Tagwerk schnell mal ein kleiner Spießrutenlauf der lästigen Verwandtschafts-Interviews, ob es denn nun auch mal „Jemanden“ geben würde oder warum es bislang einfach nicht geklappt hat an der Liebesfront!?

All jene, welche diesen ominösen „Jemand“ gefunden haben, stehen Heilig Abend und an den Weihnachtsfeiertagen vor einer ganz anderen Fragestellung: Zu Dir oder mir? Oder besser: Zu ihren Eltern oder zu seinen?

Kaum zu glauben, aber wahr: Selbige Problematik erschlich auch mich vor einigen Jahren. In den ersten beiden Jahren unserer Beziehung ergab sich aus der Weihnachtsfrage keine wirkliche Herausforderung, da seine Eltern im Süden überwinterten und somit klar war, dass wir bei meinen Eltern feiern würden. Im dritten Jahr allerdings beschloss seine Familie mit der Sonnen-Tradition zu brechen und auch mal wieder ein Weihnachtsfest in Good Old Germany zu zelebrieren. Folglich war es an mir, ebenfalls eine Weihnacht bei anderen Eltern zu verleben.

Es war nicht mein erstes Weihnachtsfest, welches ich nicht unter dem Weihnachtsbaum meiner Eltern verbringen würde, da ich einige Jahre zuvor beruflich am 24.12. tätig war und somit die Feierei mit Mama und Papa ein wenig später erfolgen musste. Und natürlich ist es auch einfach nur fair, dass beide mal dran sind, den Heiligen Abend in Gesellschaft der (potentiellen) Schwieger-Familie zu verbringen. Dennoch stellt es auch immer eine kleine Herausforderung dar: Denn je nachdem, wie man sich mit seinen Schwiegereltern in Spe versteht, kann so ein Heiliger Abend auch schnell ungemein langatmig werden. Und nicht nur das: Nebst der Frage der Harmonie sollte man auch nie vergessen, wie unglaublich prägend die gepflegten Heilig Abend-Traditionen des eigenen Elternhauses sein können.

Ein Effekt, den ich klar zu spüren bekam: Denn wenngleich ich immerzu Kritik an all der Hektik und dem künstlich erzeugten Stress meiner Eltern am 24. Dezember übe, so möchte ich viele unserer Gepflogenheiten insgeheim kein bisschen missen.

Jener Heilig Abend war anders. Nicht vollkommen, aber er ließ mich ganz klar spüren, wie wichtig mir das Beisammensein mit meinen Eltern an jenem Tag ist und wie schade ich es einfach finde, wenn Menschen beispielsweise keinen besonderen Wert auf diesen Tag legen. Logisch: Ein konsumverseuchtes Fest zu feiern, nur um des Feiern Willens, ist vollkommen absurd. Aber: Diesen Tag sowie die darauffolgenden Feiertage als eine Zeit zu begreifen, in der man wirklich gemütlich durch die Tage schlendert, kostbare Zeit mit einander verbringt, gemeinsam genießt und sich der Ruhe erfreut, ist meines Erachtens überaus wertvoll.

Diese Werte möchte ich meinen Schwiegereltern in Spe auch keineswegs so vollkommen absprechen, nur relativierten sie die Bedeutung jenes Datum weitaus mehr, als man es in meinen Augen machen sollte. Für mich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, am 24. 12. nach der Bescherung „feiern“ zu gehen.

Das. macht. man. einfach. nicht.

Warum um alles in der Welt muss man sich nach Braten & Bescherung irgendwo in einer ranzigen Dorfdisko abschießen? Und überhaupt: Welche Eltern finden das auch noch OK? Vermutlich ist genau das mein ganz persönlicher Spießer-Punkt, aber es erscheint mir als Absurdität. Darum, ihr Lieben, ganz gleich, bei welchen Eltern ihr den Heiligen Abend und sein Feiertagsgefolge verbringt: Genießt die Zeit und begreift genau sie als ein Geschenk. Ein Zeit-Geschenk, welches euch und eure Lieben, tolle Bücher, leckeres Essen und was auch immer euer Herz erfreut, umwickelt und genießt es. Bis zur nächsten Weihnachtszeit ist es schließlich auch wieder ein gutes Stück!

2 Kommentare zu „Weihnachten bei anderen Eltern.

  1. Oh wie wahr! Dieses Jahr habe ich erstmals mit meinem Freund deutsch-amerikanische Weihnachten gefeiert. Das war anders als bisher, aber genauso entspannt wie wir uns das vorgestellt hatten. Frohe Weihnachten!

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  2. Liebste Franzi,

    ganz wundervoll geschrieben! Auch wenn mir dabei fast mein Kuchen verbrannt wäre, weil ich deinen Beitrag unbedingt noch lesen wollte. 😉

    Ich kann mich zu dem Thema (noch) nicht äußern, denn bisher sind alle Beziehungen immer kurz vor Weihnachten gestartet (und für mich gilt: um Gottes Willen keine Kennenlernrunde an Weihnachten) oder kurz vor Weihnachten geendet (das ist wohl der größeres Punkt)! Nur einmal war es wirklich so, dass wir uns bewusst entschieden haben, die Feiertage getrennt zu feiern, weil seine Familie eben nicht in Berlin lebt und ich mit meiner Familie schon ziemlich voll bin, wenn es um das Sehen vieler lieber Menschen geht.

    So viel zu mir und nun auch dir nochmal: Besinnliche Weihnachtstage!

    Liebste Grüße
    Charly

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