MännerLiebelei

Angst vor dem Schlussstrich.

Wenn mir Freunde oder Bekannte Situationen schildern, in denen sie sich keineswegs mehr wohlfühlen oder kaum noch einen Ausweg für sich entdecken können, bin ich zumeist eine der ersten, die ihren Gedanken eines Schlussstrichs auszusprechen vermag. Das gilt vor allem für Bereiche wie ein schier unerträglich gewordenes Arbeitsverhältnis. In Liebesangelegenheiten versteht es sich wohl von selbst, dass der Rat zum Schlussmachen selbst unter Freunden nur dann gegeben werden sollte, wenn der Freundin oder dem Freund dadurch ein sichtbarer Schaden zugefügt wird. Sofern es sich um Empfindsamkeiten handelt, muss am Ende jeder für sich selbst wissen, wann es einen Schlussstrich zu ziehen gilt. Eine freundschaftliche Bestätigung dessen erfahren meine Freunde von mir dazu meist aber doch in gewisser Weise nachdem eine solche Entscheidung getroffen wurde.

Guter Rat ist immer leicht ausgesprochen.

Selbst befolgt man seinen eigenen zumeist nur schwer, denn wenngleich ich eingangs erwähnte, ein großer Fan von Schlussstrichen zu sein, so fällt es mir ja bereits schwer, meinen Telefonanschluss zu kündigen. In Gedanken ist es natürlich immer ein leichtes, sich sachlich zu erklären und plausibel darzulegen, weshalb eine Fortführung der jeweiligen Bindung keine gute Idee ist. In Realität kommen hierzu prompt Magenschmerzen, Kopfweh und mächtige Gewissensbisse, die jemanden wie mich umgehend zu einem Eisklotz erstarren lassen. Dann geht einfach nichts mehr.

Ich möchte aufrichtig sein.

Aufrichtigkeit sehe ich unumgängliche Tugend in jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Und diese verlangt für mich auch, dass man sich den Situationen, welche man zum Teil selbst heraufbeschworen hat, auch direkt aussetzt. Ein gesprochenes Wort steht immer über einem geschriebenen. Denn auch wenn wir vielleicht klarer über etwas schreiben können, so sollten wir bei manchen Mitteilungen auch den Mumm haben, unserem Gegenüber in die Augen zu blicken.

Vor ettlichen Wochen befand ich mich in einer solchen Situation: Ich musste mit jemandem reden. Dringend. Doch allein ein Treffen per WhatsApp zu vereinbaren brachte mich an die Grenzen meiner Kräfte. Irgendetwas in mir drin weigerte sich zutiefst ihm eine Nachricht zu senden. Denn dann wäre es klar: Es gibt kein Zurück mehr. Die Worte müssten ausgesprochen werden. Ich müsste ihm sagen, dass es so nicht weitergehen wird und dass an dieser Stelle für uns ein Schlussstrich gezogen wird. Es ist brutal und vor allem fast schon gemein, dass es sich so verzwickt anfühlen musste. Denn Fakt war auch: Wir haben uns keine 4 Wochen gedatet.

…to be weitergeschrieben.

4 Kommentare zu „Angst vor dem Schlussstrich.

  1. Ich denke, gerade in der Heutigen Zeit, in der die Gefühle des Gegenüber eine immer geringere Rolle zu spielen scheinen, ist das Schluss machen bzw. einen Schlussstrich ziehen immer einfacher bzw. für viele unbedeutsamer geworden. Da wird schnell eine SMS, WhatsApp oder Facebook Nachricht geschickt und gut. Was interessieren mich die Gefühle des anderen. Und wenn er oder sie es nicht kapiert, dann wird diese Person eben geblockt. Das sich da jemand richtig Gedanken macht und sich schwer damit tut oder gar in den Gegenüber hinein versetzt, wie er oder sie sich dann fühlt, das habe ich schon lange nicht mehr gehört.

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  2. Ich glaube, in jeder Hinsicht ist ein Schlussstrich ziehen nicht einfach. Aber manchmal müssen sie sein und tun dann auch sehr gut! Wer heute noch von Angesicht zu Angesicht mit jemanden Schluss macht, der hat noch auf gut deutsch Eier in der Hose! Dazu gehört auch viel Mut. Wie grossstdtflitzer schon schreibt… auf die Gefühle der anderen wird eher weniger Rücksicht genommen, per Handy Schluss machen ist „einfacher“. Schlussstriche sind immer gut und das merkt man mit der Zeit selbst auch. 🙂

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