MännerLiebelei

TinderDate: Hintertürchen.

Dating in der Großstadt ist manchmal ein wirklich blödes Spiel. Ein Lied, dass augenscheinlich Männlein wie Weiblein gleichermaßen singen kann, wie mir vor kurzem ein Bekannter schilderte. Denn auch aus seiner Männerperspektive nervt ihn vor allem eines am Online-Dating: Die stetige Option der Hintertürchen.

Viele User von Tinder & Co. scheinen nahezu in einen Rausch der Möglichkeiten zu verfallen, wenn die Matches nur so herbeischneien: Max, Tom, Ludwig… schwuppdiwupp ist die Bibliothek gut gefüllt mit attraktiven Exemplaren, die ruhig alle mal beweisen können, warum die es Wert sind, einen längeren Platz im Schaufenster zu besetzen. Die Quintessenz dessen ist ernüchternd: Denn wer schafft es bei solch einer Spielart, am Ende einem der Dates wirklich gerecht zu werden?

Ein faires Spiel ist es mit Nichten. Und trotzdem spielen viele vom uns es regelmäßig. Der Umkehrschluss des „monogamen Datings“ würde nämlich bedeuten, dass wir uns angreifbar machen. Wir könnten Gefühle entwickeln und schlussendlich verletzt werden. Eine Empfindung, derer wir nur allzu gern aus dem Weg gehen. Klappt ja auch prima dank Web 2.0 (rechnen wir schon in 3.0?) und stetigem Überangebot an Möglichkeiten. Doch kann eine solche Herangehensweise je zielführend sein?

Für eine ersthafte Beziehung sehe ich in dieser Konstellation schwarz. Zu dominant ist der Gedanke an die möglichen Anderen, zu präsent die direkten Alternativen. Und schon machen wir kaputt, was nie wirklich eine Chance bekommen hat. Wir spielen das Dating-Spiel wie ein Kleinkind mit seinem Matchboxauto: Nach kurzer Zeit langweilt es uns und wir greifen nach dem glänzenden Neuen.

Nur, verletzen wir uns damit nicht ebenso?

Setzen wir uns damit nicht vielmehr unter Druck? In Zeiten, in denen uns Social Media Kanäle wahrlich beherrschen und wir im Grunde unseres Herzens nach Entschleunigung lechzen, lassen wir selbst Herzensangelegenheiten vom widerlichen Druck der Optimierung durchdringen. Und die Ohrfeige dessen, trifft uns von Zeit zu Zeit mit voller Härte: Warum nur sind wir so geworden? Wann haben wir den Spielplatz Zweckentfremdet und aus einem netten Spiel eine solche Widerlichkeit gemacht?

12 Kommentare zu „TinderDate: Hintertürchen.

  1. Schon ziemlich verkorkst oder? Sollte man doch meinen dass es bei mehr Auswahl leichter wird einen Partner zu finden, stattdessen wird es schwieriger, denn wenn man sich jetzt fest bindet verpasst man vielleicht ein noch besseres Matching. Auswahl gibt es ja genug. Wie hat das eigentlich früher ohne Smartphones und Internet geklappt 😕 Da hatte man halt noch mehr Zeit und hat sich auch auf sein Umfeld eingelassen, war nicht ständig abgelenkt. Entschleunigung trifft es hier wohl auf den Punkt 😉

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  2. Allein schon der Gedanke „ich könnte ja wen noch besseres verpassen“ zeugt davon, nicht reif für eine Beziehung zu sein. Genauso auch dieses mehrgleisig fahren und sich nicht festlegen wollen. Kein Wunder also, dass es so viele emotionale und soziale „Krüppel“ gibt, die in ihrer virtuellen Welt leben und gar nicht beziehungsfähig sind.
    Irgendwas läuft hier ganz gewaltig schief und wenn sich daran nichts ändert, dann wird eine Beziehung in Zukunft noch seltener werden.
    Was auch traurig ist: ich habe es an der Uni erlebt, dass Typen sich, obwohl sie in einer Beziehung waren, parallel bei Tinder etc. ungesehen haben, um „den Markt zu checken“. Wenn was anderes / besseres kommt, so what? Schluss machen geht doch „total easy“ und „was interessieren mich die Gefühle des anderen? Muss er / sie allein mit klar kommen“. Das ist einfach nur arm.

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    1. Wow. Ja, diese Menschen gibt es auch noch dazu! Das allerdings finde ich noch schlimmer! Denn: Auch mit dem Parallel-Daten verletzt man jemanden, nur ist man es in vielen Fällen selbst. Beim bewussten Umgucken nach einer besseren Option, trotz fixer Beziehung, ist man ein noch viel jämmerlichers A***!

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    2. Oha! Aber ich habe auch schon öfters gehört, dass vergebene Personen auf Tinder sich umschauen, was ihr Marktwert ist. Das klingt doch total dumm, den Marktwert checken wollen… Dumm und irgendwie auch armselig. Aber wer es nötig hat… Nur sollte man auch an sich und seiner Beziehung vielleicht arbeiten.

      Jedoch habe ich auch irgendwie im Gefühl, dass irgendwann das Konzept der Beziehung aussterben könnte. Es gibt immer mehr emotionale und soziale Krüppel, wie du so schön sagst. Wobei schön ist das nicht, eher traurig.

      Und ich finde, die Betreiber solcher Datingapps sollten sich auch mal wieder etwas neues einfallen lassen, damit die Monogamie nicht ausstirbt!

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      1. Hm… ich glaube nicht, dass man Tinder & Co verteufeln muss. Immerhin ist der Grundgedanke der Apps ein wirklich guter. Denn wer lernt schon im Club oder einfach so noch seine Liebe kennen? Vor allem für all jene, die unter der Woche eigentlich nur in ihrem Job versinken ist es ein unglaublicher Mehrwert, auf diesem Wege jemanden zu suchen… vielmehr müssen wir Nutzer unser Handeln stellenweise überdenken! Und wer sich als Vergebener Mensch bei Tinder & Co anmeldet… ohne Worte!

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      2. Hinzu kommt ja noch, dass sich auf solchen Plattformen auch viele Fakeprofile tummeln, gerade Frauen und die Männer fallen reihenweise darauf rein und zahlen teilweise viel Geld, nur um mit der angeblichen Traumfrau schreiben zu können. DAS ist auch arm. Da wird mit den Gefühlen auch noch Profit gemacht.

        Monogamie wird schon nicht aussterben. Es wird alles nur noch locker und ungezwungener werden. Da hat man dann viele Sexualpartner, aber eben nix Festes mehr. Ist ja nur nervig, man muss Zeit und Energie aufwenden und „ich will ja schließlich auch nicht jeden Tag Schnitzel essen“…

        Ich selbst bin auch schon länger Single, aber es liegt nicht daran, dass ich nicht will, sondern einfach kein passendes Gegenstück finde. Irgendwie will sich keiner fest binden. Da kommen dann so Ausreden wie „ich genieße mein Singleleben“ „will meine Freiheit nicht aufgeben“ „das passt gerade nicht rein“ „habe schon genug Stress mit meinem Job, da brauche ich nicht auch noch eine Beziehung“. Und da ich durch Studium, Praktikum, Masterthesis und erster Job nach Studium für jede dieser Stationen an einem anderen Ort war, war das auch nicht gerade förderlich. Aber ich sage mir, wer mich nicht so nimmt wie ich bin, der hat mich auch nicht verdient.

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      3. Ja das kenne ich. Ich selbst bin seit etwas über einen Jahr Single. Es ist ja nichts schlimmes Single zu sein. Aber manchmal wünscht man sich schon einen Partner an der Seite.

        Und ja auch diese Ausreden kenne ich. Aber es ist dann schon interessant, wenn man nach ein paar Wochen oder Monaten hört, dass sie glücklich vergeben sind! 😀 komisch. 😉 Aber manche von ihnen bleiben ewig Single. Kenne da auch so jemanden…

        Ich hoffe, dass wir alle irgendwann das passende Gegenstück finden und nicht ewig Single sind.

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      4. Ja, das stimmt. Sowas kenne ich auch. Und dann kommen dazu nur so Ausreden wie „es hat mich einfach geflasht“. Das ich nicht lache. Aber gut, solche Menschen sind es nicht wert, sich über sie aufzuregen. Ich finde so ein Verhalten einach nur arm.

        Vielleicht sollte man mal drüber nachdenken, nen anderen Blogger von hier zu daten. 😀 Scheinen sich ja genügend hier zu tummeln, die ähnliche Ansichten haben.

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  3. Wer tatsächlich glaubt, Tinder bietet einen unaufhörlichen Strom an potentiellen Datingpartnern, leidet unter Realitätsverlust.

    Und meistens trifft dies auf Anfänger zu. Das kann man auch wunderbar hier in den Blogs beobachten. Der großen Euphorie ob der scheinbar grenzenlosen Auswahl folgt alsbald die Ernüchterung.

    Zudem hat Tinder die Anzahl der Swipes ja begrenzt. Auch wenn hierfür der eigene Profit das Motiv war, und nicht die Erziehung der Nutzer.

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  4. Sehr wahr und schön geschrieben! Eigentlich auch einer der Gründe, warum ich Online-Dating immer weniger mag, nur weiß man ja genauso wenig, ob der nette Typ aus dem Real Life nicht vielleicht ebenfalls dort seinen Marktwert checkt. War früher bestimmt auch nicht unbedingt besser, eher anders und man hatte nicht diese grenzenlosen Möglichkeiten wie heute. Niemand will mehr abwarten, stehen bleiben, langsam machen, wir sind so darauf getrimmt, immer weiter, besser und schneller voranzukommen, dass wir selbst meist nicht mal merken, dass wir und unsere Gefühle dabei nur selbst auf der Strecke bleiben.

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