MännerLiebelei

Sorry, da habe ich mich wohl vertindert. 

Ja, ich gestehe: die neuzeitige Form des vermeintlichen Kennenlernens ist mir nicht fremd. Aber mal ehrlich: wem eigentlich nicht? Tagtäglich stürzt sich das pflichtbewusste Ich in seine Aufgaben, kommt am Abend ausgebrannt nach Hause und soll irgendwo zwischen Kaffeepause und achtem Häkchen auf der To-Do-Liste lebensfroh strahlend die Liebe des Lebens finden.

Mein Herz ist optimistisch, dass der analoge Kanal für Zuneigung und zwischenmenschliche Nähe niemals versiegen wird, aber wenn dann doch mal das Alltagsgrau in meiner kleinen Singlewelt überlegen ist, bin ich dankbar für die Errungenschaften postmoderner Kommunikationswege. Dann wird das Smartphone aus der Tasche gezogen und der Heimweg für eine hoffentlich erfrischende Runde Speeddating genutzt.

Dieser doch zunächst recht unpersönliche Weg des Kennenlernens führte bei mir schon einige Male zu einer längeren, zunächst digitalen Unterhaltung und auch hin und wieder zu einem Kaffee, Abendessen oder Spaziergang. Das Endresultat? Leider ernüchternd.

Aber nicht in diesem Sinne, wie ihr das nun denken könntet. Ernüchternd im Sinne von Enttäuschung über die Einstellungen meines Gegenübers. Denn die Dates waren nicht etwa allesamt eine mittelgroße Katastrophe. Vielmehr waren einige der Treffen angenehme Gespräche, welche mehrere Stunden überdauerten. Doch am Ende gab es kein Lebenszeichen mehr.

Dieses Resultat lässt mich tatsächlich zweifeln. Zweifeln an den Einstellungen dieser Männer und zugleich an der meinen. Wer hatte in diesem Falle die falsche Erwartungshaltung? Und gibt es überhaupt eine „richtige“ Erwartungshaltung?

Wenngleich man natürlich meinen könne, dass es ihnen nur um Körperakrobatiken oder gleich die „ganz große Liebe“  ging … ich bin schlussendlich nur verwirrt.

Sollten wir nicht glücklich sein, wenn wir auf ein Gegenüber treffen, welches uns grundlegend sympathisch erscheint, mit dem wir einen unterhaltsamen Abend verbringen und am Ende behaupten können, nichts gegen eine zweite Tasse Kaffee zu haben? Wäre das nicht schon ein absoluter Gewinn aus dem Spieleparadies der Dating-Apps? Es versteht sich, dass diese Prämisse natürlich nur dann gelten kann, wenn wir nicht auf eine schnelle Nummer aus sind, aber für mich wäre das bereits gelungen.

Nur leider scheine ich vielleicht wirklich „falsch“ zu denken und muss zumindest für diese Fälle gestehen: Sorry, da habe ich mich wohl vertindert.

Ich bin gespannt, ob ich demnächst doch noch auf den Mann treffen werde, dessen Erwartungshaltung zu der meinen passt und am Ende doch noch ein Happy End entstehen lässt.

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