MännerLiebelei

Von der (Un)Verzeihbarkeit eines Ausrutschers.

Irgendwie möchten mich die vergangenen beiden Wochen dazu zwingen, einen Text zum Thema „Ausrutscher“ zu publizieren. Dabei war das eigentlich gar nicht meine Absicht, denn eine wirkliche Antwort habe ich für mich noch gar nicht gefunden. Aber gut. Zu oft wurde diese Problematik in den letzten Tagen thematisiert und zu viele Menschen haben mir dazu ihren Standpunkt klargemacht. Wirklich falsch finde ich davon keine – außer jenen Post auf Facebook, welchen ich vor zwei Tagen auf Facebook dazu lesen musste und der das metaphorische Fass schlussendlich auch zum Überbrodeln brachte. Da startete doch allen Ernstes ein Radiosender eine Umfrage – in der die User gebeten wurden, einer Hörerin weiterzuhelfen. Sie wurde augenscheinlich betrogen und so lautete die Frage „Soll sie ihm den Ausrutscher verzeihen?“. OK.

Ehrlich gesagt, fragte ich mich, ob dieser Post wohlmöglich vom 1. April stammte, denn – Entschuldigung – aber wer ist bitte so verrückt und stellt eine solche Frage im Internet und verspricht sich von so etwas eine ernsthafte Hilfe?

Ich hoffe es weiterhin. Vielleicht wollte der Radiosender auch einfach nur für ein gutes Engagement sorgen. Aber wie dem auch sei: die Menschen reagierten. Und zu meiner Beruhigung auch Etliche mit Empörung über eine solche Frage. Denn wie eingangs beschrieben, sollte das wohl am Ende jeder für sich beantworten. Hier gibt es keinen Rat, nicht einmal die beste Freundin kann hier den Tipp geben, der alles auflöst. Denn schlussendlich muss das jeder mit sich selbst ausmachen und vor allem auch können. Denn bekanntlich genügt die Absicht allein lange nicht aus. Ich kann noch so sehr verzeihen wollen, wenn mir mein Kopf dennoch weiterhin Streiche spielt und mich nicht vergessen lässt, werde ich am Ende trotzdem daran zerbrechen. Folglich wäre jeder Rat dahin. Und auch muss sich jeder die Frage stellen, wie er fortan mit seinem Partner umgehen kann und möchte.

Erstaunlich jedoch finde ich, wie unterschiedlich wir dahingehend überhaupt gestrickt sind. Denn es ist wohl jedem gut daran geraten, sich einmal der Hypothese zu stellen: Was wäre, wenn? Die allererste Frage in diesem Zusammenhang lautet dann wohl: Würde ich es wissen wollen? Hierbei war ich überrascht, was mir meine Freundinnen zu dieser Problematik zu sagen hatten. Von bedingungsloser Wissbegierde bis hin zum bevorzugtem Schweigen – die Mannigfaltigkeit war mehr als gegeben. Und alle haben sie ein Stück weit Recht. So fand ich vor allem den juristischen Ansatz einer Freundin sehr plausibel: Nach deutschem Strafrecht erfährt man in bestimmten Fällen* mildernde Umstände, wenn man unter Einfluss von Alkohol handelt. OK. Selben Pragmatismus würde meine Freundin auch bei ihrem Partner geltend machen. Sofern er sich zu einer sinnlosen Knutscherei mit einer Unbekannten beim Feiern einließe, würde ich es nicht wissen wollen. Sie würde ihm hierbei keinerlei Absicht unterstellen und sofern auch lediglich bei diesem „Straffall“ bleibe, könnte ich ihr fast beipflichten, dass ein solcher „Ausrutscher“ – sobald ausgesprochen – wohl für weitaus mehr Furore sorgen würde, als nötig.

Natürlich soll das jetzt kein Freifahrtschein sein, denn diesen würde meine Freundin ebenfalls nie und nimmer vergeben, jedoch ist es wohl ein Gedankengang, der es wert ist, einmal durchdacht zu werden. Ich kann die Gegenseite jedoch gleichwohl nachvollziehen. Was man weiß, kann nicht zu einem Geheimnis werden und irgendwann unverhofft zu Tage treten. Denn bekanntlich wirken Lügen meist doppelt hart. Somit gilt es eben immer zu differenzieren und vor allem aber: miteinander zu reden und es im besten Fall niemals dazu kommen lassen. Nur das in der heutigen Zeit mit all ihren (digitalen) Versuchungen aufrichtig zu schaffen, ist wohl auch eine hohe Kunst des Miteinanders und ich ziehe meinen Hut vor all jenen, die das so wundervoll meistern können.

*so wie ich das verstanden habe;)

10 Kommentare zu „Von der (Un)Verzeihbarkeit eines Ausrutschers.

  1. In unserem Freundeskreis gab es einen ganz merkwürdigen Fall. Ein Mann erwischte seine Frau inflagranti mit einem anderen Mann aus unserer Clique.
    Ziemlich schnell erfuhren eigentlich alle von dieser Geschichte, nur die Frau des erwischten Lovers hielt sich still. Also dachten wir, dass sie nichts ahnt und so gingen 2 Freundinnen zu ihr um sie aufzuklären.
    Sie sagte nur, dass es viele blöde Gerüchte um ihren Mann gäbe und sie nichts davon hören möchte. Damit war das Thema erledigt.
    Kann man so etwas erklären?

    Gefällt 1 Person

    1. Nun, man kann, nur wird man immer zu dem Schluss kommen, dass es eine traurige Welt ist, in der sie sich bewegt. Ob Angst, Einschüchterung oder pure Verdrängung. Die Frau tut mir leid, dass sie ihren Stolz augenscheinlich noch nicht gefunden hat.

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  2. Ein Beispiel zum Thema „Fremdgehen unter Alkohol“ habe ich auch noch.
    Ich benutze ganz bewusst die etwas ordinärere Ausdrucksweise, weil es für mich eine wirklich abstoßende Aktion war.
    Ein entfernter Bekannter vögelt während eines Dorffestes die einschlägig bekannte Dorfschlampe im Hinterzimmer einer Kneipe. Die anderen Gäste bemerken das und feuern ihn bei seiner Heldentat an.
    Wie ein Lauffeuer verbreitet sich diese Geschichte im ganzen Umland. Seine Frau erfährt es aber erst nach mehreren Monaten und es passiert nichts!

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