Adventskalender

Der Mistelzweig – eine Liebesgeschichte.

Es begab sich am ersten Advent vor ein paar Jahren und hätten wir die Geschichte weiterschreiben dürfen, so wäre sie wohl sehr schön geworden. Aber ganz gleich, weshalb es kein Happy End gab, dieses Kennenlernen ist dennoch die schönste Geschichte, die ich euch nicht vorenthalten mag.
Kling Glöckchen, Klingelingeling. Die ersten Schneeflocken sind bereits gefallen, die ersten Plätzchen der Weihnachtsbäckerei gebacken. Ein für mich schier fabelhafter Start der Weihnachtszeit, vor allem, da ich bereits meine Biberbettwäsche mit Rentiermotiv bezogen habe und nun endgültig im Adventshimmel schwebe. Zur Vollendung dessen haben meine WG und ich zu einer Adventsfeierei eingeladen. Glühwein, Plätzchen und Wichtelgeschenke ab 14Uhr bei uns. Eine wundervolle Sache, die auf große Begeisterung im Freundeskreis stößt.
Obligatorisches Stück unserer vollends weihnachtlich dekorierten WG: der Mistelzweig.
Es füllte sich die Wohnung, der Glühwein floss und bereits um 17Uhr zur kleinen Bescherung hatten alle rote Bäckchen von der wohligen Gemütlichkeit, die in uns aufstieg. Gewichtelt wurden fabelhafte Ideen wie etwa eine alte Cindy Crawford-Gymnastik-Videokasette aus den frühen 90ern.
Auch mir ging es prächtig und so traute ich mir, eine Freundin zu fragen, ob ihr Kumpel, welchen ich nach einmaligem Treffen ganz überschwänglich zur Feierei eingeladen hatte, denn eine Knutschoption für mich wäre? Sie bejahte mein Hinterfragen und gab mir einen Ruck.
Just als wir uns im Flur begegneten, zerrte ich ihn unter den Mistelzweig und fragte ganz unverfroren, ob man ihn den küssen dürfe. Er nickte und so küssten wir uns tatsächlich zum ersten Mal unter einem Mistelzweig.
Und bevor nun bereits jetzt ein zwiespaltiges Gefühlsgemisch von Würgereiz und Seufzern in euch aufsteigt: die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Meine Absicht an diesem glühweinseuseligen Nachmittag war klar: ich wollte seine Nähe, den Nachmittag in vollen Zügen genießen. Einem Plan, dem augenscheinlich auch seinerseits nichts im Wege stand und so fanden wir uns etwas später knutschend wie die Teenies in meiner Biberbettwäsche wieder.
Gerade als wir über den Teenie-Part hinausgehen wollten, stoppt er mich und sagt das Unglaubliche: Ich möchte jetzt nicht mit dir schlafen. Das hier fühlt sich seltsam vertraut und anders an. Ich möchte Dich treffen, Dich kennenlernen und das hier nicht mit einem One-Night-Stand kaputt machen.
Ich war sprachlos. In diesem Moment fühlte ich das gleiche, aber empfand es als absurd, das auszusprechen. Er tat es und so begann unsere Beziehung in die wir irgendwie hineinschlitterten. Es hielt keine Ewigkeit, aber wird mir immer in schöner Erinnerung bleiben. Mit der kitschigsten und für meinen Geschmack zugleich wundervollsten Kennenlerngeschichte, die man wohl erleben kann.

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