Fernweh

Powertravelling – Teil 1: Paris.

Bonjour, Paris. Nach sieben Stunden Busfahrt von Leverkusen nach Paris Porte Maillot habe ich es geschafft und stehe in Mitten der französischen Metropole. Der Busbahnhof liegt unfassbar praktisch, von hier brauche ich keine 15 Minuten und schaffe es ganz gemütlich zum ersten Must-see: dem Arc de Triomphe. Während ich dorthin laufe, lugt bereits hinter einigen Dächern das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt hervor. Ich bin wirklich in Paris. Erst jetzt realisiere ich das so richtig, der Stress der letzten Tage und all die langen to-do-Listen ließen kaum Gedanken an meine Reise zu, sodass ich umso geflashter bin, vom zauberhaften Morgen in der Stadt der Liebe.

Nachdem ich ein wenig ernüchternd feststellen musste, dass man ab 26 für den Arc de Triomphe, wie für viele andere Sehenswürdigkeiten und vor allem Museen bezahlen muss, lasse ich mich weiter vom Blick auf die Spitze des Eiffelturm führen und steuere auf mein zweites Ziel zu. Inzwischen sind auch die letzten Wolkenreste der Morgensonne gewichen und lassen die Stadt und ihre Wahrzeichen in herrlichem Glanze erstrahlen. Ein Bild, welches ich direkt mit Freunden und Familie teile, da Paris praktischer Weise an fast jedem Ort kostenloses WLAN bereitstellt. Hierbei erreicht mich auch die erste Nachricht über Brüssel. Rauch am Flughafen, Genaueres unklar. OK. Nicht beirren lassen, aber gut, dass ich allen Bescheid gegeben habe, wohl auf zu sein.

Weiter geht es. Direkt zum Meisterwerk von Gustave Eiffel. Von unten und in greifbarer Nähe erscheint mir der Turm gar nicht mal so unfassbar rießig, wie es sich meine Gedanken zuvor ausgemalt hatten. Diese Meinung ändert sich allerdings schnell, als ich nach unzähligen Stufen, den Turm bis zur zweiten Plattform erklommen habe. Mit schmerzenden Oberschenkeln und der Gewissheit um den folgenden Muskelkater, wird mir klar, dass der Blick von unten doch wohl täuschte und ich mich doch in einigen Metern Höhe befinde. Der Ausblick lohnt und mit sieben Euro finde ich die Kosten-Nutzung-Rechnung gut ausgeglichen, wo sonst kriegt man dafür Kultur, Ausblick und Fitnessstudio?

Entlang der Seine begebe ich mich weiter in Richtung Innenstadt und gelange zum Place de Concorde. Von hier kann ich einbiegen in die wohl bekannteste Einkaufsstraße nach dem K`Damm (als Berlinfanatiker muss ich dass so sehen;)) – die Champ Elysee. Gerahmt von Sonnenschein und langsam aus dem Winterschlaf erwachenden Bäumen ist der Weg gemütlich und nähert sich dem Getümmel der Haupteinkaufsmeile. In einer Seitenstraße gönne auch ich mir ein bisschen Ruhe und frühstücke ein mit Grillgemüse belegtes Baguette und Orangina. Nun lese auch ich über das Ausmaß der Geschehnisse in Brüssel. Explosionen, Tote, Verletzte. Mir wird ganz anders. Ich bin geschockt. Erschüttert und vor allem doch sehr mitgenommen, denn nur wenige Stunde bevor sich diese Grausamkeit ereignete, war ich selbst noch kurzweilig in der belgischen Hauptstadt. Ich muss meine Gedanken ordnen. Was mache ich nun? Ist geplant, dass mein Bus auch heut Nacht auf dem Weg nach Rotterdam Brüssel passieren soll? Sollte ich direkt wieder nach Hause fahren? Fragen über Fragen und etliche Nachrichten von Freunden, die sich sorgen.

Ich beschließe, nach einigen misslungenen Versuchen trotz diverser Geoblockings Infos zu erlangen, mich auf den Weg zum Porte Maillot zu begeben. Von der Champ Elysse aus ist das nicht allzu weit und ich hoffe, dort von einem Busfahrer mehr Infos zu erhalten. Angekommen treffe ich auf viele Deutsche, welche eigentlich mit dem TGV zurück in die Heimat reisen wollten, vergebens, denn sämtlicher Zügen bleiben heut stehen. Ein deutscher Busfahrer beruhigt mich, nach seiner Aussagen sollen auch keine Fernbusse die Unglücksstadt heute passieren. OK. Dennoch kontaktiere ich meine Eltern und bitte sie, das nochmals checken zu lassen. Mich plagen noch immer Fragen. Sollte ich mich auf direktem Wege nach Hause begeben?

Trotz Bauchschmerzen bleibe ich in Paris, denn schlussendlich sind es nur noch wenige Stunden und ich bin dann in den Niederlanden, wo mich auch meine Heimreise von Rotterdam hindurchführen wird. Einen Beschluss fasse ich allerdings: ich werde keine Metro nutzen und Unterführungen strikt meiden.

Zurück in der Innenstadt setze ich meine Erkundungstour fort. Louvre, Notre Dame, ein sonnendurchfluteter Spaziergang entlang der Seine – dieser Tag hätte schlicht und ergreifend einfach nur fabelhaft werden können. Jedoch fühle ich mich nicht mehr wirklich sicher. Es ist paradox, wieviel Beruhigung die Gewissheit um einen kurzen Heimweg spendet und wieviel Unruhe sich in einem ausbreitet, wenn sie fehlt. Verrückt, denn Köln ist nicht minder weit von Brüssel entfernt. Aber es ist auch das Wissen um die nur kurz zurückliegenden Geschehnisse in Paris selbst, welche mich grübeln lassen, ob meine Reise und die Entscheidung nicht frühzeitig zurückzureisen richtig waren.

Nachdem ich die meines Erachtens wichtigsten Sehenswürdigkeiten angeschaut habe, lasse ich mich ein wenig durch die Straßen treiben und laufe links und rechts wie es sich findet. Eigentlich wäre ich gern noch zum Montmatre gelaufen, jedoch schreckten mich diverse Polizeiaufmärsche und Journalisten in der Nähe des Nordbahnhofs davon ab und so halte ich mich primär in der Nähe des Zentrums auf. Wirkliche Lust zu bummeln habe ich nicht. Meine Einkäufe beschränken sich auf eine neue Flasche Wasser, Postkarten und Briefmarken.

Langsam neigt sich der Tag dem Ende entgegen. Ich suche mir ein Lokal in der Nähe des Busbahnhofes, bestelle mir mein Abendessen und beschließe nicht länger durch die Straßen zu ziehen. Zu unsicher würde ich mich fühlen und hier habe ich Strom für mein Telefon und kann mich noch ein wenig mit den Geschehnissen des heutigen Tages beschäftigen und auch meine Briefkastenliebe schreiben. Zu schade, dass auch sie meine Ängste mittragen wird, denn eine Ode an Paris kann ich aktuell nicht unbeklommen verfassen.

Es ist 23 Uhr und ich begebe mich zum Busbahnhof. Hier legen sich auch meine Ängste ein wenig. Ich treffe auf einige Deutsche und finde Menschen, mit denen ich über die Vorkommnisse reden kann. Sie beruhigen mich mit ihrer Gesellschaft und unserer Unterhaltung. Ich erfahre, dass ich wohl nicht die Einzige war, die heut die Pariser Metro gemieden hat, denn auch eine Erasmusstudentin erzählt, dass sie heut fast allein in der U-Bahn saß. Vergessen hätte man heute in Paris keineswegs, dass wir uns nicht mehr sicher fühlen, denn wo auch immer ich hineinging, ob Billigladen oder Kirche, überall bat mich das Sicherheitspersonal zu einem Bodycheck und kontrollierte meinen Rucksack. Nein, ausblenden hätte man hier nichts.

Nun steige ich in den Bus nach Rotterdam und hoffe, dass ich eine ruhige Fahrt haben werde, die mich sicher in die Niederland führt und morgen ein wenig zur Ruhe kommen lässt. Ich bin dankbar für den Sonnenschein, der heut sein Bestes gegeben hat, meinen Tag hin und wieder ein wenig ruhiger werden zu lassen und meine Gedanken auf die Schönheit der Stadt zu lenken. Es hat stellenweise gut funktioniert, aber dennoch gelten meine Gedanken den schrecklichen Vorfällen und den Menschen, welche heut den schlimmsten Tag ihres Lebens hatten.

Paris in Kürze:

*kulturreiche, zauberhafte Stadt, die jede Reise wert ist
*für Wanderlustige auch zu Fuß gut zu erobern und sollte man doch Pflastermüde werden, kosten auch die Metro-Tickets nicht viel
*für alle unter 26 gibt es eine Vielzahl an kostenlosen Möglichkeiten – Museen und andere Kulturgüter gibt´s für euch gratis
*Kulinarisch hat Paris sehr viel zu bieten, dass allerdings zu sehr stolzen Preisen
*eine richtige Touristeninfo konnte ich nicht finden, aber dank öffentlichem WLAN ist die Orientierung auch nicht so ganz ein Problem, zudem bietet insbesondere der Eiffelturm und auch die Seine eine gute Orientierung

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